RDGLDGRN – Doing the Most (Official Music Video)

23. März 2015 von Autor/in: Jens  - 
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Das Video hab ich heute durch einen Hinweis von Johnny Haeusler auf Facebook aufgeschnappt. Die Kombo spielt morgen, Dienstag, in der Berghain Kantine.

Aber zurück zum Video. In dem Moment, in dem ich wusste, wer da die Drums eingedremmelt hatte, kam es mir vor, als würde ich den Drum-Stil auch erkennen. Ich, der gar kein Instrument spielen kann. ;-)

Aber wie krieg ich nun raus, wie man die Band ausspricht?

Ich sage ja zu deutscher Synchronisation

9. März 2015 von Autor/in: Jens  - 

Ich lese die Beiträge von Felix Schwenzel alias diplix sehr gern und viel. Ich folge ihm auf Twitter, Instagram, irgendwie auch auf Facebook, denn ich mag seine Art Themen zu reflektieren. In 99,98898 Prozent der Fälle nicke ich innerlich nur kurz und zustimmend, wenn ich irgendein digitales Schnippselchen von ihm gelesen oder gesehen habe. Ich gebe zu, manchmal bekommt er sogar Likes, Shares oder irgendeines dieser digitalen Zuckerli von mir.

HEUTE aber muss ich mal Widerspruch anbringen und weil es da noch ein fast vergessenes eigenes Blog gibt, mache ich das hier. Felix Schwenzel hält deutsche Synchronisation für Quatsch – soweit will ich seine steile These verkürzen. Er bezieht sich auf ein Studienergebnis und sieht sich dadurch in seiner Meinung bestärkt. MC Schwenzel geht noch einen Schritt weiter, in dem er deutsche Synchronisation für eine Unsitte und einen Eingriff in die künstlerische Freiheit hält. Große Worte. Punkt. (Große Worte, die man hier nachlesen kann >>)

ICH finde diese Attitüde borniert. Nicht nur die von Mr. Schwenzel, sondern von all den SchlaumeierInnen, die immer wieder herummeinen müssen, die deutschen Synchronisationen von TV- und Kinoinhalten wären ja Mist – oder noch besser – generell alle Menschen wären dumm, weil sie die Serien oder Filme in deutschen Fassungen anschauen. Gerade der letzte Punkt ist immer mal wieder Thema und Herumgemeine auf Parties.

Für mich ist das eine unfassbare Überheblichkeit. Eine Überheblichkeit von Menschen mit Hochschulabschluss, die nicht mehr wahrhaben wollen, dass es da draußen eine wirklich große Zahl an Menschen gibt, die dieses Privileg der hohen Bildung aus verschiedensten Gründen nicht genießen konnten oder durften. Die Beherrschung von Fremdsprachen sollte man natürlich schon in der Schule erlernen. Sollte! Die Realität sieht anders aus. Jenseits von Gymnasien sieht es da nämlich oft sogar sehr traurig aus. Englisch, Französisch oder andere Fremdsprachen sind da gern unterrepräsentiert – aus Mangel an LehrerInnen oder Interesse seitens der SchülerInnen und/oder Eltern etc.

Da stellt sich für mich die Frage: Dürfen all diese Menschen, die weniger in Fremdsprachen bewandert sind, nun nur noch deutschsprachige Formate schauen, die original hier entstanden sind? Oder ist es fair, wenn man Menschen Wissen vorenthält, weil man einen Bewegtbild-Inhalt nicht übersetzt? Denn eines vergessen die Damen und Herren ganz gerne, auch der Bereich Dokumentation und Nachrichten würde dann wohl kaum noch synchronisiert. Die Menschen würden deutlich weniger Wissen kommuniziert bekommen, weil sie schlichtweg die Sprache nicht können. Tolle Aussichten.

Die Argumentation von Felix Schwenzel zielt aber auch auf ein anderes Feld, das ich ganz schwierig finde: Würden TV- und Kinoformate nur in Originalsprache ausgestrahlt, würden die Leute schneller und besser Fremdsprachen sprechen, weil sie sie lernen müssten, um zu verstehen. Das kann man auch “runterbrechen” auf:
Jeder Mensch würde aus Zwang lernen, wenn er müsste. Entspricht für mich in etwa dem oberliberalen Ansatz einer FDP: Wenn sich jeder Mensch selbst hilft, ist Jedem geholfen. Beide Ansätze sind für mich einfach nur gemein, insbesondere gegenüber Menschen, die nicht über das entsprechende Budget, die Zeit oder den Intellekt verfügen.

Darüber hinaus bleiben all die Menschen, die deutsche Synchros für Quatsch halten auch jede Menge Zahlen schuldig. Wie sieht es denn mit nichtenglischen Inhalten in den Ländern aus, die keine Synchronisation in Landessprache haben? Es ist mindestens zu bezweifeln, dass in diesen Ländern Bewegtbild-Inhalte eine gute Chance auf Verwertung in Massenmedien haben, die in Polnisch, Russisch, Chinesisch oder auch nur Spanisch produziert wurden. Synchronisation gibt – und das wird sehr gern vergessen – viel mehr Inhalten die Möglichkeit in ausländischen Medienmärkten wahrgenommen und konsumiert zu werden.

Interessant wären auch Antworten auf die Frage: Wie sieht denn die Wahl von Fremdsprachen in der Schule aus, wenn der eigene Medienmarkt vielleicht nur englischsprachige Originale zeigt? Haben dann Kinder, die sich für andere Sprachen interessieren, eine reale Chance, diese Sprachen auch zu erlernen, wenn es viel mehr Nachfrage nach der EINEN Fremdsprache gibt?

Letztendlich gibt es unzählige Fragen, die man stellen kann. Fazit für mich ist, ich schaue, höre und lese Inhalte in deutscher und englischer Sprache, weil ich es kann. Weil ich das Privileg hatte, genug Bildung zu erfahren. Manchmal mag ich es, die Originalfassung zu lesen, zu hören oder zu schauen. Und dann gibt es Tage, an denen bin ich froh, wenn ich nur die deutsche Fassung konsumieren kann, ohne viel nachdenken zu müssen.

Interessanter wären allerdings für mich Lösungen, die multilinguale Angebote ermöglichen könnten. Warum kann man nicht zu jedem TV-Inhalt auch die Originalfassung anbieten? Und dann auch ZuschauerInnen konsequent auf den Originalton aufmerksam machen? Warum kann man bei Video-On-Demand nicht permanent mehrere Versionen anbieten? Warum kann Youtube nicht verschiedene Sounddateien implementieren? Und und und …

Um einen Schlusspunkt zu finden: Ja, man kann über die Qualität deutscher Synchronisationen streiten, sie abschaffen halte ich viel falsch. Die unterschwellig formulierte Forderung nach Abschaffung deutscher Synchros halte ich für eine überaus bornierte Haltung des sogenannten Bildungsbürgertums. Und ich würde mich freuen, wenn die heute zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten ausgeschöpft würden, um NutzerInnen Original- und Synchronfassungen gleichberechtigt zugänglich zu machen. Darüber hinaus bin ich natürlich voll für die Verbesserung des Fremdsprachenunterrichtes für ALLE SchülerInnen.


ps: Ja, ich kenne bzw. kannte einige Menschen, die mit deutscher Synchronisation einen Teil ihres Lebensunterhaltes verdienen.

Andreas Kümmert kümmerts nich mehr

6. März 2015 von Autor/in: Jens  - 

Gestern Abend zappte ich mich durch ein belangloses Fernsehprogramm, kurz bevor ich ein Video aus der hauseigenen Mediathek anschauen wollte. Dabei blieb ich beim deutschen ESC-Vorausscheid hängen und hatte einigen Spaß.

Da siegte ein Mann im Televoting, der so gar nicht in das Glitzerparadies Eurovision Song Contest passen wollte. Andreas Kümmert passt ganz klar auf die kleinen Bühnen des Landes. Auf die Bretter, die den Rock-n-Roll bedeuten, vielleicht. Immer ein wenig schmutzig oder sogar noch verraucht. Oder er passt auf die Bühnen der liebevoll und engagiert veranstalteten Open-Airs bei Stadtfesten oder auf kleine Campus-Festivals, deren VeranstalterInnen auch mal einen TV-Star auf ihrer Bühne haben wollen. Mit Hoodie-Jacke, kaum getrimmten Wurschtelbart und eben nicht gegelten Haaren ist er der Mann, der direkt aus dem Bild fällt – wenn er denn im falschen Rahmen platziert wurde.

Und genau das ist ihm passiert. Warum? Das weiß bisher kaum ein Mensch. Vielleicht nicht mal er selbst. Fakt ist jedenfalls, dass er sich gestern beim Vorentscheid des Eurovision Song Contests vorfand. Er sang brav seine zwei braven Songs und zog dann direkt ins Finale ein. Vermutlich schon zu diesem Zeitpunkt wollte er eigentlich vor der glamourös in Szene gesetzten Barbara Schöneberger auf die Knie gehen und sie bitten, dass ihn irgendjemand aus diesem Glitzerparadies abholen sollte. Zumindest kann man im Nachgang seinen Blick so deuten, als er erfuhr, dass er sich in die Finalrunde gesungen hatte.

Doch Andreas kümmerte sich und sang den braven Song ganz brav ein weiteres Mal. Die Zutaten waren passend: Einen Fond aus Pop als saftige Grundlage, ein wenig rockige Fleischeinlage, eine Prise Soul oben drauf und als Sättigungsbeilage einen Text, den man im “Come-In-And-Find-Out”-Deutschland auch so anbieten kann.

Und dann gewinnt er. Gegen eine Sängerin mit dem Namen Ann Sophie. Die ebenfalls einen leicht verdaulichen und Top-40-Radio kompatiblen Titel vorgetragen hatte. Andreas gewinnt gegen eine junge Frau, die schon perfekt gestylt in den Glitzerpalast ESC passte. Und die vielleicht wirklich gewinnen wollte. Warum auch nicht? Warum geht man sonst zu einem Wettbewerb?

Bei seiner Siegerehrung merkt man dem Mann seine Fassungslosigkeit sofort an. Vielleicht war er angetreten um sich ein wenig Aufmerksamkeit zu ersingen, die ihm für die Zukunft die kleinen Clubs vor den kleinen Bühnen etwas voller machen würde. Vielleicht war er davon ausgegangen, nicht ins Finale zu kommen, bei all den attraktiven Damen, wie Laing, Ann Sophie oder Alexa Feser. Und so hatte er vielleicht gar nicht darüber nachgedacht, was ein Sieg für ihn als Folgen mit sich bringen würde.

Er findet kurze knappe erste Worte und die müssen auf die ARD-Verantwortlichen gewirkt haben, wie ein Autounfall*. Crash, Boom, Bäng! Andreas will nicht nach Wien fahren und übergibt selbstverständlich seinen Sieg an die Zweitplatzierte. Punkt. Fassungslosigkeit. Punkt.

Und dann ist da eine Barbara Schöneberger, die die Situation rettet. Sie hat offenbar schnell erkannt, dass Andreas Kümmert seine Worte ernst meinte. Sie versuchte ihn nicht zu überreden, sie hakte höflich und klarstellend nach, ABER sie trieb ihn nicht in die Ecke. Ann Sophie nahm den Sieg fassungslos an. Denn jetzt wurde klar, dass sie wirklich dabei sein kann – dabei beim großen Zirkus “The Show Must Go On”. Die Stärkere setzt sich durch. Ein Gesetz, dass auch vor dem Pop nicht Halt macht.

Somit gab es vielleicht wirklich zwei Sieger. Andreas Kümmert, der sich nun nicht dem unermesslichen Druck der kommenden Wochen aussetzen muss, dem er vielleicht eh nicht gewachsen wäre. Und Ann Sophie, die vielleicht wirklich große Lust auf den Stress der kommenden Monate hat. Weil sie – vollkommen legitim – diesen Weg gehen will.

Ich persönlich hätte mich doch eher über die Teilnahme von Andreas Kümmert gefreut. Denn das Bild der deutschen Poplandschaft hätte mit seinem markanten Aussehen vielleicht ein recht positives Image im Ausland erfahren können.

Es gibt aber etwas ganz ganz feines an diesem Rückzieher von Kümmert für mich. Die Reaktion eines Teils des votenden Publikums. Schon kurz nach dem lustigen Ende der Show witterten einige Menschen Schiebung und forderten bei Facebook und Twitter ihre paar Groschen zurück, die sie kurz zuvor beim Televoting “auf den Kopp gekloppt” hatten…

… oder um es mit Worten Guido Westerwelles auf den Punkt zu bringen: “Es ist Deutschland hier.

*Danke an Dani, die diesen Vergleich auf Facebook brachte.

Antilopen Gang – Verliebt

4. März 2015 von Autor/in: Jens  - 

Der Antilopen-Gang-Bäng!

Sie kamen mit “Beate Zschäpe hört U2” – für mich – wie die schrägen Vögel aus der Asche. Und jetzt gibt es das nächste großartige Video von der Gäng. Gedreht in Hamburg und mit zahlreichen Buddys aus dem eigenen Dunstkreis.

Wer den Drehort für die Schlussszene kennt und unten in die Kommentare schreibt, gewinnt 100 Punkte fürs Karmapunktekonto. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, der Linksweg auch. Trolle dürfen an dem Gewinnspiel nicht teilnehmen.

Her mit der kleinen Französin

2. März 2015 von Autor/in: Nic  - 

So, weil es Christine and the Queens jetzt verdientermassen auch in den SPON, die FAZ und auf tape.tv (sowieso) geschafft hat, kann ich zugeben, dass dieser schnörkellose französische Elektropop bei mir auch seit Wochen rauf und runter dudelt. Ihre Platten und Konzerttickets gehen im frankophonen Raum gerade weg wie geschnitten Brot. Wobei es mir mit Kopfhörern eher dieser “blaue” Song angetan hat: YouTube Preview Image

RB Leipzig – wo liegt eigentlich das Problem?

27. Februar 2015 von Autor/in: Jens  - 

Eines unserer Kids interessiert sich inzwischen recht brennend für Fußball und den BVB. Ich betone das, da ich selbst maximal ein wenig Fuppes spiele, wenn ich mit den Kids auf dem Spielplatz bin. Darüber hinaus bin ich nur Fan der Medienfigur Jürgen Klopp.

Jedenfalls taucht in letzter Zeit immer wieder die Diskussion um Red Bull und den RB Leipzig an den Rändern meiner Fußballwahrnehmung auf. Da mokieren sich die Menschen über den Kommerz, der beim Fuppes Einzug gehalten haben soll. Hoffenheim, Schalke, RB Leipzig tauchen als Vereinsnamen dann auf – oder zumindest schnappe ich es so auf.

Ich muss dann immer ein wenig in mich hineinschmunzeln. Denn, sind wir mal ehrlich, wo ist denn bitte vorher der Kommerz gewesen? Nicht bei Tante Fußball? Wo dann? Beim Gartenbau? In der Mittagspause? Oder bei Tante Emma im Laden?

Der gesamte Fußballzirkus hat sich – in meiner Wahrnehmung – doch schon immer um den Gott des Geldes gedreht? Nur ist es jetzt halt so viel auf einem Haufen, dass selbst Onkel Dagobert geldgeilen Schweiß auf der Stirn hätte und über Expansionspläne für seinen Geldspeicher nachdenken würde.

Money makes se wörld go round. So heißt es doch. Und wer mit den Bayern, Wolfsburgern oder Leverkusenern auf Augenhöhe mitspielen will, der muss halt eine extra große Tüte Cash mitbringen. In anderen Industriezweigen ist das ja nicht anders. Will man als Letzte/r in den Markt, hat man die höchsten Einstiegskosten oder ein wahrlich feistes und disruptives Geschäftsmodell.

Beim Fuppes bleibt also nur Geld, denn disruptiv ist das gar nix. Immer schön der Hierarchie nach. Und da muss man dann eben dicke Bündel mit Scheinchen in die Hand nehmen und einen Verein aufbauen. Läuft ja bei allen anderen Vereinen auch so, nur eben schon länger. Dortmund hat mal eine AG dafür gegründet – erinnere ich mich dunkel. Andere Vereine haben auch ihren Profifußball vom restlichen Vereinsdingens abgekoppelt, um “flexibler” zu sein. Und wieder Andere lassen dieses Vereinsding gleich weg und ballern mit dem Geld von unten bis in die oberste Liga, siehe Hoffenheim.

Jetzt macht das also auch RB Leipzig seit ein paar Jahren. Geld rein, Trainerwechsel sobald das Ziel erste Bundesliga in Gefahr ist, teure Spielerkäufe um über Liga-Niveau zu sein. Bisher klappte das wohl ganz gut. Mal sehen, wie es zum Ende der Saison aussieht. Bleibt man doch mal ein Jahr länger in der zweiten Liga oder eben nicht. Im Moment sieht alles nach einer Ehrenrunde aus.

Das ist doch spannend. Denn es zeigt ja irgendwie, dass blankes Zusammenkaufen noch kein Team macht. Hat ja bei Hoffenheim bis jetzt auch nicht zum Titel gereicht. Das System Fußballzirkus bleibt also doch etwas mit Herz, denn auch das Blut – aka Geld – kann so manchen Schnupfen nicht einfach aushalten.

tl;dr

In ein System aus Geld kann man nur noch mehr Geld stecken, wenn man schnell oben mitspielen will. Also finde ich den Weg von RB Leipzig nur ehrlich.

ps: Wichtigster Fußballblog ever: falscheneun.net >>

Sonntagssoul

15. Februar 2015 von Autor/in: Nic  - 

Es gibt Tage, an denen man Nachrichten liest, sich wünscht,man hätte es bleiben lassen und sich fragt, ob die Welt noch ganz dicht ist. Okay, eigentlich fragt man sich das beinahe täglich. Erst recht als ehemaliger Newshonk auf Entzug. Dann braucht es ein kleines bisschen Soul und für fünf Minuten ist die Welt wieder in Ordnung. Sowas hier YouTube Preview Image

Mein Klaus-Fazit als Berliner

12. Dezember 2014 von Autor/in: Jens  - 

Er geht und das ist gut so. Klaus Wowereit hatte seine Berliner Zeit und jetzt verabschiedet er sich, um so hoffentlich den nächsten Impuls für die Stadt zuzulassen.

Wowereit und seine weltoffene Art war für mich ein Aushängeschild, wie ich es mir als Berliner nicht besser hätte wünschen können. Berlin hatte damals mit dem Beginn der Ära Wowereit eben noch viel popkulturelles Potenzial und Wowereit war in der Lage genau diese Frische zu kommunizieren. Wowereit verhalf Berlin zu einer Strahlkraft, die eine Stadt ohne großindustrielles Fundament braucht, um als touristischer und innovationswilliger Magnet zu funktionieren. Denn Geld muss ja irgendwie in die Stadt kommen, zur Not eben auch ohne Großindustrie. Berlin hat heute eine Tourismusindustrie und einen Sexappeal, der innovative Software-Menschen in die Stadt lockt. Software ist die große wirtschaftliche Kraft der Zukunft, hier könnten vielleicht schon jetzt die richtigen Menschen sitzen, die genau die Grundlage dafür legen, Berlin zu einem wichtigen Hub für Software und Innovationen zu machen. Vielleicht ist auch alles eine große Blase, die wieder platzt. Das kann kein “Wowi” wissen und alle andere Menschen können es auch nicht.

Wowereit hinterlässt das Image eines Bürgermeisters, das für alle NachfolgerInnen zu groß sein dürfte. Sein aktueller Nachfolger Müller wird sich an anderen Themen messen lassen müssen, er wirkt auf mich wie ein hölzerner Technokrat. Aber lassen wir ihm die Chance, sich ein glaubwürdiges Profil zu geben.

Klaus Wowereit hat den BER gemeinsam mit der gesamten Politik in Berlin und Brandenburg versemmelt. Er hat den Beweis angetreten, dass Politik die Finger von Großprojekten bzw. deren operativer Umsetzung lassen sollte. Und er reiht sich damit auch nur ein in die lange Schlange Hamburg, Berlin, Stuttgart etc.

Klaus Wowereit hat auch bewiesen, dass die politische Landschaft komplett beliebig geworden ist. Erst hat er mit den Linken koaliert, jetzt mit den Konservativen. Im letzten Wahlkampf ging er sogar so weit, dass Wahlplakate nur noch sein Portrait zeigten. Deutlicher kann man kaum noch aufzeigen, wie irrelevant Parteien heute sind.

Und noch etwas passierte in Wowereits Ära. Die Kreuzberger Mai-Krawallen wurden immer kleiner. Trotz harter, für mich unbarmherziger Innensenatoren, konnte sich doch in Kreuzberg eine Bürgergemeinschaft entwickeln, die Stück für Stück die Hoheit über den Kiez zurückgewann.

Wowereit konnte vieles auch nicht aufhalten: Die Gentrifizierung, die drastischen Mietsteigerungen und den wilden Immobilienboom, der seine tatsächlichen Folgen wohl erst in den kommenden Jahren entfalten wird.

Ich erinnere mich jedoch an eine ganz grundsätzliche Situation, zu der Klaus Wowereit damals offenbar durch die Medien gezwungen wurde. Er musste sich outen, um die Deutungshoheit über seine eigene Intimssphäre zu bewahren. Er hat damit hoffentlich vielen Menschen einen Denkzettel verpasst und womöglich sogar Mut machen können und hoffentlich dabei geholfen, ein ganz fieses gesellschaftliches Tabu auszuhebeln. Vielleicht hat Wowereit damit unbewusst auch das – für mich als Berliner – entscheidende Signal in die Welt geschickt: In dieser Stadt geht vieles schief, ABER hier können ausgegrenzte Menschen vielleicht doch ein wenig entspannter leben als anderswo.

Ich gönne Wowereit einen positiven Eintrag ins Geschichtsbuch, denn so viel muss man erst mal aushalten können und dann auch noch durchhalten.

Wie cool ist das denn: Der Adventskalender der anonymen Freundlichkeiten

1. Dezember 2014 von Autor/in: Jens  - 

Können wir das allesamt bitte mal wunderbar finden?!

Lisa und Katharina, die beiden Damen hinter dem Blog stadtlandmama.de, haben sich den wohl besten Adventskalender aller Zeiten ausgedacht.

Jeden Tag (wenn möglich) möchten wir über eine Freundlichkeit berichten, die ihr – ganz heimlich – “begangen” habt, um sie hier mit allen Lesern zu lesen. Wie das gehen soll? So:

Wenn Ihr Euch gleich am Büdchen, im Café oder in der Bäckerei einen Kaffee kauft, bezahlt ihr zwei und sagt der Bedienung, sie soll den nächsten Kunden mit dem von Euch bezahlten Gratis-Kaffee überraschen.

Die Ladies haben noch viele weitere Ideen, wie man anonym Menschen da draußen beglücken könnte.

Auf geht’s! >>

Endlich ist die Informatik wirklich nützlich!

29. November 2014 von Autor/in: Jens  - 

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